NACHSORGE NACH SCHILDDRÜSENOPERATION
An der interdisziplinären Schilddrüsenfortbildung am 30.11.2011 nahmen zahlreiche Ärzte verschiedener Fachdisziplinen aus Klinik und Praxis teil. Nach der Begrüßung und Einleitung von Prof. Dr. H.U. Zieren wurden 4 Übersichtsreferate gehalten:
Update chirurgische Therapie
Prof. Dr. H.U. Zieren stellte die aktuellen chirurgischen Standards bei gut- und bösartigen Erkrankungen vor. Zur Senkung der zu hohen Rezidivraten nach limitierten Resektionen besteht auch bei vielen gutartigen Erkrankungen ein Trend zur radikaleren Operationen im Sinne einer kompletten oder fast-kompletten Thyreoidektomie. Gleichzeitig hat die Minimierung der Operationsrisiken höchste Priorität. Minimal-invasive und mikrochirurgische Operationstechniken gehören ebenso wie das intraoperative Neuromonitoring zum Instrumentarium der modernen und nebenwirkungsarmen Schilddrüsenchirurgie. Die chirurgische Therapie bösartiger Erkrankungen ist kompliziert und anspruchsvoll und gehört in die Hand des Spezialisten.
Nachsorge bei benignen Erkrankungen
Fr. Dr. E. Korman betonte, dass auch bei gutartigen Erkrankungen in der Regel eine lebenslange Nachsorge erforderlich ist. Da heute in guten Kliniken meist nur relativ kleine Schilddrüsenreste belassen werden, ist postoperativ in der Regel eine dauerhafte Thyroxinsubstitution erforderlich. Nach der Operation wird Patienten mit kleinen Resten (< 6 Gramm) in der Regel zunächst eine gewichtsadaptierte Dosis Thyroxin (1,6 Mikrogramm / Kg Körpergewicht) verordnet. Diese Dosierung sollte nach etwa 6 Wochen durch eine TSH-Bestimmung überprüft und ggf. korrigiert werden. Gleichzeitig sollte eine Sonographie zur Kontrolle des postoperativen Ausgangsbefundes und zur Größenbestimmung eventueller Schilddrüsenreste erfolgen. Die Notwendigkeit und der Zeitpunkt postoperativer Szintigrafien wird unterschiedlich beurteilt.
Nachsorge bei malignen Erkrankungen
Bei den meisten differenzierten Karzinomen gehört die routinemäßige postoperative Radiojodbehandlung zum Therapiestandard. Von Herrn Dr. P. Theissen wurden die entsprechenden Indikationen und Strategien vorgestellt. Durch die Verwendung von rekombinantem TSH ergeben sich sowohl für die Radiojodtherapie als auch für die Nachsorge (Ganzkörperszintigramm) neue Perspektiven, da den Patienten die ansonsten erforderliche und zum Teil sehr belastende Phase der Hypothyreose erspart werden kann. Die weitere Nachsorge und auch die Hormonsubstitution (TSH-Zielwert) unterscheidet sich bei Tumoren mit niedrigem und hohen Rückfallrisiko.
Endokrinologische Aspekte
Herr Dr. D. Kaulen berichtete über die Besonderheiten aus Sicht des niedergelassenen Endokrinologen. Neben der optimalen Hormonsubstitution der Schilddrüse ist die Behandlung des postoperativen Hypoparathyreoidismus ein wichtiges Betätigungsfeld. Bei der symptomatischen postoperativen Hypocalcämie steht zunächst der akute Ersatz von Calcium bis zur Beschwerdefreiheit im Vordergrund. Beim über die ersten postoperativen Tage hinaus anhaltenden Hypoparathyreoidismus erfolgt zusätzlich die Gabe von Vitamin D bzw. seinen Derivaten (günstigere Pharmakologie). Für den weiteren Verlauf ist es wichtig, dass die Calciumsubstitution schrittweise reduziert wird, damit das verbliebene Nebenschilddrüsengewebe zur vermehrten Parathormonproduktion angeregt wird („Nebenschilddrüsen-Weaning“).
Nach einer angeregten Diskussion über verschiedene Details und dem Austausch praktischer Tipps wurde die Veranstaltung bei einem Imbiss beendet.
Literatur-Tipp:
Schäffler, A.: Substitutionstherapie nach Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Deutsches Ärzteblatt (2010) 107 (47) :827-834


