KNOTEN DER SCHILDDRÜSE

Wie häufig treten Schilddrüsenknoten auf?

Knoten in der Schilddrüse sind sehr verbreitet. Jeder dritte Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren leidet hierzulande entweder an einer Schilddrüsenvergrößerung oder einem Knoten in der Schilddrüse. Bei etwa 10 Prozent kommen beide Phänomene gemeinsam vor. Frauen sind deutlich häufiger von Vergrößerung und Knoten betroffen als Männer. 

 

Auch mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Schilddrüsenknoten zu. Knotige Prozesse sind insbesondere nach dem 45. Lebensjahr häufiger. So finden sich in dieser Altersgruppe bei 28 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen Schilddrüsenknoten. Studien zufolge kann ab zirka 65 Jahren sogar bei jedem Zweiten ein Knoten festgestellt werden. Ausnahmen hiervon sind das papilläre Schilddrüsenkarzinom und die erblichen Formen der Schilddrüsenkarzinome, die sich oft bereits zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr manifestieren.   

    

 

 

Wie entstehen Knoten? 

Im Gegensatz zur diffusen Schilddrüsenvergrößerung (Struma diffusa), bei der sich alle Zellen der Schilddrüse gleichmäßig vergrößern, handelt es sich bei Schilddrüsenknoten um mehr oder weniger umschriebene krankhafte Areale, die sich vom normalen Schilddrüsengewebe abgrenzen lassen (Struma nodosa). Dabei kann es sich um ganz unterschiedliche Veränderungen handeln:

  • gutartige Drüsenwucherung (Adenom)
  • gutartige Zysten (Flüssigkeits- oder blutgefüllte Hohlräume)
  • gutartige Vernarbungen, Verkalkungen
  • Schilddrüsenkrebs (Struma maligna)

 

Erfreulicherweise sind weniger als 1 Prozent aller feststellbaren Schilddrüsenknoten bösartig. Zum weitestmöglichen Ausschluss von Bösartigkeit sollte allerdings bei jeder neu aufgetretenen Struma nodosa eine genaue Schilddrüsenabklärung erfolgen.

 

Die wesentlichen Ursachen für die Entstehung von Knoten an der Schilddrüse: 

  • Jodmangel gilt nach wie vor als die Hauptursache in Deutschland. Da Jod essentiell für die Produktion von Schilddrüsenhormonen ist, kann es bei einem Mangel zur Ausschüttung von Wachstumsfaktoren aus der Hirnanhangdrüse kommen. Hierdurch vermehren sich die Schilddrüsenzellen und können Knoten bilden.

 

  • Genetische Veränderungen können die Neigung und Bildung von Schilddrüsenknoten verstärken.  Aus diesem Grunde lassen sich Bildung und Wachstum von Knoten trotz einer ausreichenden Jodzufuhr nicht immer verhindern.

 

 

 

 

Welche Beschwerden können Schilddrüsenknoten bereiten?

Die Beschwerden hängen vor allem von der Lage und der Größe der Knoten ab. Viele Betroffene bemerken allerdings lange Zeit überhaupt nicht, dass ein Knoten "im Verborgenen" wächst. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Wachstum der Schilddrüse nicht mit einer Funktionsstörung des Organs einhergeht, die zusätzliche Beschwerden verursachen und damit auf das Defizit der Schilddrüse hinweisen könnte.

 

Schilddrüsenknoten wachsen in aller Regel auch nur sehr langsam. Wenn die Schilddrüse vergrößert ist und sich ein oder mehrere Knoten gebildet haben, kann sich das anfühlen, als hätte man einen Kloß im Hals. Auch ein unangenehmes Druckgefühl, Heiserkeit, Räusperzwang und viele andere Missempfindungen können sich einstellen. 

 

 

  

 

Was sind warme und kalte Knoten?

Bei Auffälligkeiten oder dem Verdacht auf Veränderungen der Schilddrüse wird zunächst eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, falls erforderlich auch eine Szintigrafie. Denn das Funktionsbild lässt Rückschlüsse auf die Aktivität des Organs zu und damit letztlich auch auf die Eigenschaft eines Knotens.

 

Es werden "warme" und "kalte" Knoten unterschieden:

  • Warme (oder heiße) Knoten sind von ihrer Funktion her aktiver als normales Schilddrüsengewebe und produzieren vermehrt Hormone. Die korrekte medizinische Bezeichnung lautet "hyperfunktioneller Knoten" oder "funktionelle Autonomie". Der Begriff "warm" (oder "heiß") bezieht sich schlichtweg auf die Farbgebung im Szintigramm: Aktives Gewebe wird im Funktionsbild in warmen Farben (Rot und Gelb) dargestellt.

 

  • Speichert ein Schilddrüsenareal dagegen weniger Jod, ist von einem "kalten Knoten" die Rede. Die medizinisch korrekte Bezeichnung lautet "hypofunktioneller Knoten". Dieser hat im Gegensatz zur gesunden Umgebung einen geringeren Stoffwechsel und wird im Szintigramm entsprechend seiner reduzierten Aktivität in "kalten Farben", also in Blau oder Violett, dargestellt.

 

Ein kalter Schilddrüsenknoten kann ein Hinweis auf Schilddrüsenkrebs sein und sollte genau untersucht werden. Es ist jedoch nur ein sehr kleiner Teil der kalten Knoten wirklich bösartig. Warme oder heiße Knoten sind so gut wie nie bösartig. Sie können allerdings, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, zu einer Überfunktion führen.

 

Schilddrüsenszintigraphie mit einem mehrspeichernden sogenannten „warmen“ Knoten im linken Schilddrüsenlappen

Abb.: Schilddrüsenszintigrafie mit einem mehrspeichernden
so genannten "warmen" Knoten im linken
Schilddrüsenlappen (vom Patienten aus gesehen)

 

 

Abb.: Schilddrüsenszintigrafie mit einem "kalten" Knoten (Speicherdefekt)
im rechten Schilddrüsenlappen (vom Patienten aus betrachtet).

 

 

 

Wie werden Knoten behandelt?

Bei einem Schilddrüsenknoten kommen prinzipiell drei Behandlungsmöglichkeiten in Frage, um die knotige Veränderung zu verkleinern oder zu beseitigen:

 

Bei einem medikamentösen Verkleinerungsversuch wird dem Patienten ein Schilddrüsenhormon und meist auch Jod verabreicht. Das kann bei einem Teil der Patienten im Langzeitverlauf zu einer gewissen Verkleinerung der Knotenbildung führen, bei den meisten Patienten, insbesondere bei solchen mit symptomatischen und größeren Knoten ist ein solcher Therapieversuch in der Regel nicht erfolgversprechend. Bei Hormon produzierenden Knoten (Adenomen) und erst recht bei drohender oder bestehender Überfunktion darf diese Therapie nicht durchgeführt werden, weil sie das Auftreten einer Hyperthyreose begünstigen würde.

 

Eine Radiojodtherapie kommt bei gutartigen Schilddrüsenknoten in Frage, die vermehrt Jod speichern (warme oder heiße Knoten). Bei kalten Knoten wirkt diese Therapie nicht. Der Effekt zur Größenverkleinerung der Knoten und der Schilddrüse ist relativ gering und stellt sich erst – wenn überhaupt –  Wochen bis Monate später ein. Die Radiojodtherapie kann eine Alternative zur Operation sein, wenn eine Operation bei älteren Patienten wegen Begleiterkrankungen oder Vorschäden an den Stimmbändern nicht in Frage kommt.

 

Eine Operation ist die Therapie der Wahl bei allen Schilddrüsenknoten, die aufgrund ihrer Größe oder Lage Beschwerden verursachen oder bei denen ein Bösartigkeitsverdacht besteht.    

 

Die richtige Behandlungsweise richtet sich immer nach dem individuellen Befund und wird im Einzelfall mit dem Patienten besprochen.